Nitrat im Grundwasser – wie können wir uns schützen?

„Grundwasser durch Nitrat verseucht!“ titelte am 03.01.2017 der SPIEGEL, und die Medien waren erfüllt von Empörung: Der EU-Gerichtshof hatte – nach langem Drohen – Klage gegen Deutschland eingereicht, wegen Versäumnissen beim Schutz des Grundwassers vor der Verseuchung mit Nitrat. Dass Nitrat für Schwangere und Kinder gefährlich sein kann, ist mir bekannt, aber was steckt noch dahinter? Wie kann ich mich schützen? Hier macht es Sinn, einen Experten zu befragen!

Ich frage daher im Interview Erich Meidert, den Geschäftsführer der EM Wassertechnologie GmbH und Präsidenten der Akademie für Trinkwasserforschung und integrale Umwelttechnologie e.V.:

Folgende Fragen beantwortet Erich Meidert im Interview:

  • Wie kommt das Nitrat ins Trinkwasser?
  • Was für gesundheitliche Folgen sind möglich?
  • Welche Mengen an Nitrat können ohne gesundheitliche Bedenken aufgenommen werden?
  • Wie angemessen sind die vorhandenen Grenzwerte?
  • Inwieweit sind Säuglinge und Kleinkinder betroffen?
  • Was kann ich tun um mich zu schützen?

Die Shownotes zum Interview

Was hat es mit der Grundwasser-Verseuchung durch Nitrat auf sich, Herr Meidert?

Als Sohn eines Landwirtes kommt Erich Meidert aus Wasserburg am Inn, wohin er auch heute noch gern zurückkommt. Der Meidert-Hof mit über 200 Tieren in der Bullenmast ist 2016 vom bayerischen Minister als „Nutztier-Wohlfühlparadies“ ausgezeichnet worden. Dennoch berichtet Erich Meidert von einer massiven Überdüngung in den Jahren 1965 – 1978. Man trug zwar bereits damals Handschuhe bei der Arbeit, aber ein wirklicher Schutz ist das nicht. Als Meidert 14 Jahre alt ist, stirbt der Vater an Krebs, und auch Erich Meidert selbst beginnt mit 40, sich über das Thema Gedanken zu machen.

„… Ich komme aus Wasserburg/Inn, da ist der Krebs überall…“

Das Bewusstsein über die Gefahren von Düngemittel-Einsatz setzte erst gegen Ende der 1990er Jahre ein; die Landwirte tragen, durch den Einsatz von Düngemitteln, einen erheblichen Anteil an der Vergiftung des Grundwassers. Die Grenzwerte von 50mg/Liter, so Meidert, sind ein Skandal. Aber wenn wir auf unser Gemüse schauen, finden wir teilweise doch viel höhere Werte, 2.000-3.000mg/kg sind da keine Seltenheit…

Warum ist denn eine viel niedrigere Konzentration im Trinkwasser so gefährlich?

Weil wir in der Tagesmenge viel weniger davon zu uns nehmen. An dieser Stelle verweist Meidert in aller Deutlichkeit auf den Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Gemüse und rät, besonders im Winter NUR Gemüse aus kontrolliertem Bio-Anbau zu kaufen. Es sei wichtig, die Landwirte durch unser Kaufverhalten zu überzeugen, da der Preisdruck in der Landwirtschaft so hoch ist, dass Bauern oft keine andere Wahl haben, als auf Chemie zurückzugreifen. Nun ja, aber unser Körper braucht doch auch Nitrat, oder?! Und überhaupt…

Ab welcher Menge und warum ist Nitrat im Körper giftig – und wie kommt es in unser Wasser?

Zu dieser Frage gibt es im Internet viele Informationen: kleine Filme bei youtube, aber auch viel Material zum Nachlesen, zum Beispiel beim bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Hier steht, dass „Nitrat wie Ammonium und Nitrit zu Stickstoffverbindungen des natürlichen Stickstoff-Haushaltes“ gehört. Giftig wird Nitrat im Körper bei der Umwandlung zu Nitrit. Für diesen Prozess benötigt Nitrat ein saures Milieu, so dass bei der – auch ernährungsbedingt – massiven Übersäuerung in unserer Gesellschaft der Krebserreger Nitrit in bedenklichen Mengen gebildet wird.

„…Es ist eine Frage der Zeit. Ich spreche von einer tickenden Zeitbombe, nicht heute oder morgen, sondern in etwa 20 – 50 – 70 Jahren…“

Das Nitrat gelangt über die massive Überforderung unserer Böden durch Dünger, aber auch durch Gülle, in den Boden, wo es versickert oder auch ins Oberflächenwasser geraten kann, man bedenke die stark angestiegenen Starkregen und Überschwemmungen. Dadurch sind, erklärt Erich Meidert weiter, Grund- und Oberflächenwasser gleichermaßen von der Verseuchung betroffen, auch wenn die jeweilige Belastung je nach Bodenbeschaffenheit und Region abweichen kann. Stickstoff ist für die Bodenfruchtbarkeit wichtig und wird daher in Form von Dünger oder Gülle auf den Feldern ausgebracht. Dabei gelangen aber oft auch andere Problemherde in den Boden, wie Antibiotika und Hormone. Nitrat ist hier also nur ein exemplarisches Problem.

Welche gesundheitlichen Folgen können die erhöhten Werte denn haben?

Laut bayerischem Landesamt (s.o.) birgt Nitrat 2 Arten der Gefährdung menschlicher Gesundheit: Zum einen bewirkt Nitrat, besonders bei Schwangeren und Babys) die Umwandlung des roten Blutfarbstoffes und damit seine Transportfähigkeit. Da kein Sauerstoff mehr transportiert werden kann, kommt es zu einem „Sauerstoffmangel in lebenswichtigen Organen, im zentralen Nervensystem und im Herz; was bei entsprechender Ausprägung zum Tod führen kann…“ (Bsp.: plötzlicher Kindstod). Als zweites entstehen bei der Verdauung und Umbildung des Nitrats zu Nitrit im Magen krebserregende Eiweiße (Nitrosamine), wie im Tierversuch bereits bewiesen wurde.

Angesichts der empfohlenen Trinkmenge von reinem Wasser sollte also jeglicher Nitratgehalt grundlegend vermieden werden. So spricht sich Erich Meidert auch für den Einbau entsprechender Filter in Regionen mit besonders intensiver und großflächiger Landwirtschaft aus (Norddeutschland), wo Landwirte mittlerweile bereits 50-100 km fahren, um ihre Gülle auszubringen. Da frage ich mich doch:

Wer überwacht eigentlich das Wasser?

Das ist Aufgabe der regionalen Versorger (Wasserwirtschaftsamt). Während jedoch, je nach Einwohnerzahl, in Großstädten nahezu täglich gemessen wird, gestaltet sich die Kontrolle besonders in kleinen Gemeinden eher schwierig. Angesichts des harten Wettbewerbs lässt sich eine massive Einschränkung von Düngemitteln nicht durchsetzen, sogar in der Bodensee-Region, so berichtet Erich Meidert, werden Äpfel bis zu 25-30 Mal am Tag gespritzt. Das Einzige, was diese Entwicklung beeinflussen kann, ist jeder Einzelne – indem er BIO kauft und so eine gesündere Landwirtschaft unterstützt.

„Wir Verbraucher müssen Maßstäbe setzen!“

Nun kann man natürlich auch Mineralwasser in Flaschen kaufen, um dem Nitrat aus dem Weg zu gehen?! Das bejaht Erich Meidert, es gibt tatsächlich einige wenige, allerdings auch preisintensive, empfehlenswerte Wässer in der Glasflasche. Er gibt jedoch zu bedenken, dass wir uns mit den meisten Mineralwässern andere Übel ins Boot holen, z.B. die Sulfate.Hier liegen die Grenzwerte im Trinkwasser bei 250mg/Liter, fürs Mineralwasser jedoch bei 1.200mg/Liter. Aber das bedeutet ja, dass ich mit dem Mineralwasser unter Umständen schlechteres Wasser trinke als aus der Leitung!

Was kann ich denn konkret tun, um mich vor diesen Belastungen zu schützen?

Zunächst einmal empfiehlt Meidert, den Nitratgehalt im eigenen Trinkwasser prüfen zu lassen. Den einzigen, sicheren Schutz vor Nitraten bieten Wasserfilteranlagen, die mit Umkehrosmose arbeiten. Diese Anlagen bergen jedoch wiederum andere Risiken. Da Erich Meidert sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt, hat er sich ein richtiges Wasserfilter-Museum angesammelt, wo er die einzelnen Anlagen auf Herz und Nieren prüft. Eine gute Beratung ist wichtig im Milliarden-Poker ums Trinkwasser, berichtet er, und erzählt von den absurden Gewinnspannen in der Filter-Industrie. Freunde bringt ihm das nicht immer ein, und so stand er auch schon einmal vor Gericht… Doch er macht weiter, weil ihm das menschliche Feedback genau so wichtig ist wie uns beiden das Vertrauen, die Aufklärung sowie vor allem das Aufzeigen von individuellen und gesunden Lösungen!

DANKE, ERICH MEIDERT, für dieses spannende Interview!

Welche Besonderheiten bei Umkehrosmoseanlagen zu beachten sind, um eine bestmögliche Filterung von Nitrat
zu erreichen, zeigt Dir Erich Meidert in diesem kurzen Video, das er als Ergänzung zu unserem Interview erstellt hat:

Weitere Informationen dazu, wie wir unser Trinkwasser reinigen und aufwerten können,
gab uns Erich Meidert live in einem Webinar am 26. Januar 2017.

Hier kannst Du Dir die Aufzeichnung des Webinars
„5 Schritte zum vollkommenem Wasser“ anschauen:

> Zur Webinar Aufzeichnung

 

Hier kannst Du mehr über Misterwater erfahren:
Webseite www.misterwater.eu