12 November

Selbstversorgung vom Balkon

Der große Traum der Selbstversorgung ist allgegenwärtig. Die eigenen Lebensmittel auszusäen, zu pflanzen und zu ernten, Vorräte anzulegen und in vielerlei Hinsicht autark zu leben, muss kein Wunsch bleiben.

Wie aber passt dieses Lebensmodell in die heutige Zeit?
Kann Selbstversorgung gelingen, ohne die lieb gewonnenen Vorteile einer Stadtwohnung oder die eigene Freizeit aufzugeben?  

Sich selbst zu versorgen heißt nicht, alles komplett selbst anzubauen oder herzustellen. Vielmehr bedeutet es, aus dem eigenen Können und den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu schöpfen. Alles andere kann ebenso ökologisch und nachhaltig getauscht oder beschafft werden. Ganz so, als hätte man es selbst angebaut oder verarbeitet.

Der Start zum Selbstversorger

Es ist einfacher als gedacht, sein eigenes Gemüse auf kleinstem Raum anzubauen. Pflanzen wachsen in geeigneten Pflanzgefäßen beinahe das ganze Jahr über. Alles, was man dazu braucht, sind geeignete Pflanzbehälter, Erde, Wasser, Samen und ein bisschen Organisationstalent.

Der richtige Pflanzkübel

Es gibt jede Menge Pflanzkübel, -schalen und -systeme zu kaufen. Es eignen sich aber auch viele ausrangierte Gefäße, um Pflanzen auf dem Balkon wachsen zu lassen. Wichtig ist die Größe des Gefäßes.

  • 25 bis 30 cm Höhe, höher als ein gewöhnlicher Blumentopf, wären ideal für größere Gemüsepflanzen wie Mangold oder Zucchini
  • In niedrigeren Töpfen oder Balkonkästen können die wärmeliebenden Kräuter oder Asiasalate gezogen werden. 
  • Basilikum, Schnittlauch und Petersilie benötigen ein tieferes Pflanzgefäß, damit sie nicht zu schnell austrocknen.

Je nach Platzangebot können hohe Regale mit unterschiedlichen Pflanzschalen bestückt werden. Diese eignen sich für niedrig wachsende Pflanzen oder zur Anzucht von Gemüsepflanzen. Es gibt vertikale Pflanzwände, -türme oder Hängesysteme. Wer Platz hat, kann kleinere Hochbeete oder Pflanzkästen aufbauen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wertvolle Pflanzenerde

Um als Selbstversorger zu beginnen, reicht handelsübliche Pflanzenerde. Wer etwas ökologischer handeln möchte, kennt vielleicht einen Hobbygärtner, der etwas Erde übrig hat. Dieser kann auch Tipps geben, welche Erde zu welchem Gemüse passt.

Abb. 1

Gehaltvoller und biologischer als Pflanzerde aus dem Baumarkt ist Muttererde, die in Kompostieranlagen erworben werden kann.

Die rein autarke Variante wäre das Sammeln von Erde in der Natur. Dazu eignen sich Natur- und Streuobstwiesen oder Waldränder. Wenn es hier einen Maulwurf gibt, der im Winter oder Frühjahr fleißig die Erde zu Tage fördert, kann beherzt zugegriffen werden. Das gibt freilich keine riesige Ausbeute. Dennoch ist diese Erde natürlicher Art und hat meistens alles, was Erde haben sollte.

Auch in Gärten und auf Grundstücken baut der Maulwurf seine dunklen Hügel. Manch ein Gärtner oder Grundstücksbesitzer ist froh, wenn du dich darum kümmerst. Wichtig ist es allerdings zu wissen, ob der Boden belastet ist oder nicht.

Kräftigender Pflanzendünger

Pflanzen, die in Töpfen gezogen werden, benötigen ab und an ein wenig Kraft in Form von flüssigem Dünger oder der Gabe von Komposterde. Letzteres kann in einer Wurmkiste selbst gewonnen werden. Ein Bokashi-Eimer ist ebenfalls eine effektive Lösung für Selbstversorger. Je mehr Pflanzen auf dem Balkon wachsen, desto mehr Kompostmaterial fällt an. Somit ist eine Kreislaufwirtschaft möglich und empfehlenswert.

Zusätzlich kann im Sommerhalbjahr auch Pflanzenjauche hergestellt werden. Diese sollte aber aufgrund der Geruchsbelästigung entweder gut abgedeckt oder in Zusammenarbeit mit einem Hobbygärtner auf dem Land hergestellt werden.

Alle Pflanzendünger werden nur verdünnt den Pflanzen gegeben. Komposterde wird der Pflanzerde untergemischt. Flüssiger Dünger wird meist im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt (1 Liter auf eine 10 Liter Kanne).

Wasser sammeln

Wasser ist eines unserer kostbarsten Güter.

In heißen, trockenen Sommern ist eine ausreichende Bewässerung auf dem Balkon unumgänglich.

Gegossen wird bestenfalls am Abend, damit sich die Pflanzen über Nacht gut versorgen können und gestärkt in den Tag starten.

Um das nötige Wasser zu sammeln, werden geeignete Gefäße mit Deckeln benötigt. Sollte Regenwasser aufgefangen werden können, ist dies eine super Variante, um Wasser zu sparen.

Zudem sollte unter jedem Wasserhahn eine Auffangschüssel stehen, die Wasser (ohne Seife oder Spülmittel) bei Gebrauch auffängt. Auch das Gießen selbst kann wassersparend optimiert werden. Wasser, das aus Balkonkästen tropft oder in Übertöpfen steht, könnte anderweitig genutzt werden.

Besser ist die Schluck-für-Schluck-Methode. Hierbei wird die Pflanze Schluck für Schluck gegossen, bis die Erde feucht genug ist.

Welche Pflanzen eignen sich für den Balkon?

Abb. 2

Eine Grundversorgung gelingt mit Kräutern, Salaten, Blatt- und Fruchtgemüse.
Obst kann beispielsweise bei größerem Platzangebot mit Johannisbeer-Stämmchen oder Hänge-Erdbeeren angebaut werden.

Täglich frische Kräuter

Kräuter ergänzen nicht nur kulinarisch einzelne Gerichte. Sie bringen vielseitigen Geschmack, heilen und sind ausdauernde Begleiter. Ihre ätherischen Duftstoffe sind Balsam für die Seele. Frischer Pfefferminztee, heilende Kamille, aromatisches Basilikum oder der würzige Schnittlauch erfreuen nicht nur uns. Blühende Kräuter sehen auch wunderschön aus. Sie locken zahlreiche Bienen und Schmetterlinge an und bieten den Insekten Nahrung.

Für das Winterhalbjahr eignen sich Schnittlauch oder die Winterheckenzwiebel. Sie liefern in der dunklen Jahreszeit kräftiges Grün. Ebenso wachsen Rucola und Kresse den Winter hindurch. Petersilie wird einjährig gezogen und kann auch über den Winter bis ins Frühjahr hinein frische Blättchen liefern. Die mehrjährigen mediterranen Kräuter überwintern in einer geschützten Ecke. Sie dürfen auch im Winter nicht austrocknen. 

Einer Ernte von einzelnen Blättchen steht in der kalten Jahreszeit nichts im Wege. Im Frühjahr treiben Pfefferminze, Zitronenmelisse und Wildkräuter frisch aus.

  • Grün&Gesund Praxistipp

Ein Rückschnitt aller Kräuter im Sommer bringt eine erste eigene Ernte für die Vorratshaltung und ermöglicht ein neues Austreiben bis in den Herbst hinein.

Jedem sein tägliches GRÜN

Die grüne Kraft unserer Gemüsepflanzen ist ein wahrer Schatz.

Während Supermarkt-Gemüse selten im Freiland angebaut wird und auf dauerbewirtschafteten Böden wächst, bieten unsere selbstgezogenen Pflanzen eine Fülle an wertvollen Inhaltsstoffen.
 
Sie trotzen Wind und Wetter. Die umsorgten Pflanzen stellen sich auf ihren Gärtner ein und liefern jene Inhaltsstoffe, die gebraucht werden.

  • Über den Winter wachsen auf dem Balkon verschiedene Grünkohlsorten und Mangold. Ebenso liefern Salatrauke und Asiasalate wertvolles Grün.
  • Im Frühling sprießen die ersten grünen Blätter der Radieschen und des Spinats. Blattsalate starten auf dem Balkon recht früh.

Wie im Garten kann auch auf dem Balkon mit Vlies- oder Folienabdeckungen zeitig gegärtnert werden. Dies eignet sich vor allem bei Schnitt- und Pflücksalaten. Sie sind den Salatköpfen vorzuziehen, da sie mehrmals geerntet werden können. Wie beim Spinat oder den Radieschen erntet man bei den Salaten nur einzelne Blätter. Die Erntezeit wird damit verlängert.

Größere Gemüsesorten wie Kohlrabi, Mangold, Möhren, Rübchen oder Rote Beete benötigen mehr Platz. Nicht nur der Raum zur nächsten Pflanze muss berücksichtigt werden. Auch das Pflanzgefäß sollte entsprechend hoch sein. Es gibt Pariser-Möhren-Sorten, die kleine runde Möhren liefern und gut in Gefäßen angebaut werden können.

Beim Gärtnern auf dem Balkon gilt es immer zu beachten, dass eher die schnell wachsenden Varianten zum Einsatz kommen. Genauso sollte alles von der Pflanze Verwendung finden. Einzelne Blätter von Kohlrabi, Möhre oder Roter Beete bereichern schon vor der eigentlichen Ernte den Salat oder Smoothie.

  • Vom Fruchtgemüse werden nur die Früchte gegessen. Gemeint sind Tomaten, Paprika, Gurken und Zucchini. Diese wärmeliebenden Pflanzen benötigen den meisten Platz und gute Kompostgaben.
  • Stangen- oder Feuerbohnen können rankend ein toller Sichtschutz auf dem Balkon sein. Ständig geerntet, fruchten diese Pflanzen bis in die ersten frostigen Tage hinein.
  • Für den Winter werden verschiedene Grünkohlsorten bereits im Sommer gepflanzt. Sie benötigen größere Pflanzgefäße und gute humose Erde. Im Herbst erreichen sie eine stattliche Größe. Die Palmen sehen über den Winter sehr dekorativ aus und können stetig geerntet werden. Dabei werden die Wedel von unten gepflückt. Die jungen Blätter im Herzen bleiben stehen und wachsen weiter.

Saatgut und Jungpflanzen

Zum Starten empfiehlt es sich, einige Pflanzen aus einer Gärtnerei zu besorgen. Saatgut sollte immer in Bio-Qualität erworben werden. Nachhaltige und samenfeste Samen gibt es bei vielen Online-Händlern.

  • Wichtig ist, dass hybride Sorten gemieden werden. Diese Pflanzen werden speziell für große Ernteerfolge gezüchtet, bilden selbst aber kein brauchbares Saatgut. Wertvolle Inhaltsstoffe, Geschmack und Aromen sowie Vitamine bleiben oft auf der Strecke.

Selbstversorgung mit Lagergemüse und Obst

Der Anbau von Kartoffeln, Rüben, Sellerie, Kürbis, Weiß- und Rotkohl nimmt viel Platz in Anspruch. Zudem haben diese Gemüse- und die meisten Obstsorten eine lange Wachstumsphase. Um sich mit diesen Früchten selbst zu versorgen, benötigt es ein Stückchen Land. In diesem Fall können solidarische Landwirtschaften oder Biokisten ein Segen sein.

Ein Gemeinschaftsgarten bei Oma und Opa auf dem Land wäre eine Überlegung wert. Obst zum Selbstpflücken wird von einigen Bauern angeboten. Wilde oder alte Streuobstwiesen lassen sich beim Spaziergang in der Natur finden. Hin und wieder gibt es Bauern oder Hobbygärtner, die gern überschüssige Ernte abgeben. Tauschgeschäfte helfen beiden Seiten.

Du kannst deine Hilfe anbieten und erhältst einen Teil der Ernte.

Fazit

Mit der Selbstversorgung übernimmst du Verantwortung für dein Leben.
Du bestimmst, was auf deinem Teller landet und weißt, was dir gut tut. Die Abhängigkeit von Großkonzernen und Supermärkten rückt immer weiter in den Hintergrund. Selbstversorgung ist ein Stück Freiheit, selbst geerntetes Gemüse oder Obst ein großes Geschenk.

Quellenverzeichnis
Cover: Michel VIARD via Canva.com
Abb 1. piyaset via Canva.com
Abb 2. Emevil via Canva.com
Abb 3. Michel VIARD via Canva.com


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