28. Dezember 2022

Permakultur im eigenen Garten

 Julia Reinert

Einen Garten, ein Stückchen Land oder ein braches Grundstück in einen Permakulturgarten zu verwandeln, ist eines der besten Ideen, die du derzeit haben kannst. Es gibt dir so viel mehr als nur die Selbstversorgung mit frischen Lebensmitteln.

Es erdet, reduziert Stress, verbindet dich mit der Natur und Gleichgesinnten, schützt das Klima und ist nachhaltig. Du lernst mit der Zeit den Blick auf das Wesentliche zu reduzieren, erkennst wichtige Zusammenhänge und gestaltest die Zukunft aktiv.

Wichtig zu wissen ist, dass ein Permakulturgarten nicht von heute auf morgen aufgebaut werden kann. Es bedarf gründlicher Überlegungen, Beobachtungen und Pläne. 

Was genau die Permakultur bedeutet und welche Vorteile sich durch sie ergeben, findest du in unserem Beitrag  Ein Paradies erschaffen – die 10 Vorteile der Permakultur.

Zonen im Permakulturgarten

Der klassische Permakulturgarten ist in verschiedene Zonen eingeteilt. Nicht immer sind diese Zonen auf jedes Grundstück übertragbar. Du definierst die Zonen anhand deiner Bedürfnisse und den vorhandenen Gegebenheiten. Je arbeitsintensiver eine Zone ist, desto näher sollte sie am Haus bzw. dem Lebensmittelpunkt sein.

Der Mensch und Zone 0

Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen emotionalen und sozialen Bedürfnissen. In der Zone 0 befinden sich das Wohnhaus oder die Wohnsiedlung sowie das nahe Wohnumfeld.

Zone 1 – oft genutzt

Rings um das Wohnumfeld sollte der Küchen- und Kräutergarten anschließen. Die Nähe hilft, die täglichen Wege kurz zu halten und wichtige Arbeiten schneller zu erledigen. 

In dieser Zone kann häufig das geschützte Mikroklima genutzt werden. Wer Hühner und Enten halten möchte, bringt auch diese in der Zone 1 unter.

Zone 2 – regelmäßig genutzt

In der zweiten Zone befindet sich der großflächige Gemüseanbau sowie Gewächshäuser, Folienzelte oder -tunnel.

Abgrenzend können Beerenobststräucher gepflanzt werden.

Zone 3 – gelegentlich besucht

Hinter der zweiten Zone befinden sich Obst- und Nussbäume.

Es kann ein Waldgarten oder eine Streuobstwiese angelegt werden. Wildobsthecken schließen diese Zone ab.

Zone 4 – selten besucht

Es wird wilder. Ein Permakulturgarten produziert verschiedene Rohstoffe selbst. Diese Rohstoffe werden vorrangig in Zone vier gewonnen. Sei es durch ein Wasserreservoir, Wald, Hecken, Wiesen und Weiden.

Zone 5 – Wildnis – Schutzzone

Diese Zone schützt den Permakulturgarten vor äußeren Umwelteinflüssen. Sie ist der Rückzugsort für viele Tiere, vor allem den Nützlingen.

Gleichzeitig bietet diese Zone Raum für Inspiration und Meditation.

Elemente des Permakulturgartens

Die Permakultur bietet eine ganze Reihe an Gestaltungselementen. Typische Permakulturbeete sind beispielsweise Schlüsselloch-, Mandala-, Terrassen-, Krater- oder Hügelbeete. Aber auch die ganz normalen ebenerdigen Beete werden in einem Permakulturgarten gleichermaßen genutzt.

Zur Begrenzung der einzelnen Zonen eignen sich Benjeshecken. Diese aufgestapelten Totholzhecken dienen nicht nur dem Sicht- und Windschutz. Benjeshecken sind auch Zufluchtsorte für Kleintiere und Insekten.

Ähnlich funktionieren dichte Wildobsthecken, diese benötigen allerdings mehr Platz und einige Jahre zum Wachsen. Eine Kombination aus Benjeshecke und Wildobststräuchern kann eine attraktiv gestaltete Abgrenzung darstellen.

Tierschutzelemente wie Steinpyramiden, Sandbeete und Totholz-Areale bzw. natürliche Insektenhotels sowie Wasserrückhaltebecken zur Wasserretention finden sich eher in Zone vier.

Bodenbearbeitung im Permakulturgarten

Ein guter Boden ist eines der wichtigsten Grundelemente eines funktionierenden Permakulturgartens.

Jede Gegend, jedes Fleckchen Erde hat seine eigenen Bodeneigenschaften. Um einen nährstoffreichen Boden aufzubauen oder über einen langen Zeitraum beizubehalten, muss eine Humusschicht aufgebaut werden. Ein lebendiger lockerer humoser Boden speichert Wasser und versorgt die Pflanzen optimal.

Auf bestehenden Beeten wird guter Kompost aufgebracht und oberflächlich eingearbeitet.

In der Permakultur sind Umgraben oder Pflügen unerwünscht. Die tiefgründige Bodenbearbeitung schadet der Bodenstruktur und den Bodenlebewesen.

Auch das Betreten oder Befahren mit Geräten wirkt sich negativ auf den Boden aus, da es den Boden verdichtet.

Mulchen

Ist der Boden mit gutem Kompost aufgewertet, wird der Boden gemulcht. Die Bodenabdeckung schützt vor Austrocknung und liefert einen kontinuierlichen Humusnachschub.

Der Boden bleibt locker und die Beikrautentwicklung wird gehemmt. Als Mulchmaterial eignen sich alle anfallenden organischen Reste wie Laub, Wiesenschnitt, Beikräuter, Stroh und Gemüseabfälle.

Rasenschnitt aus dem Rasenmäher ist genauso wie Walnuss- oder Kastanienlaub nicht geeignet.

Mulch sollte eine gute Mischung aus verschiedensten Materialien sein. Locker aufgebracht hilft Mulch effektiv und langanhaltend.

Bodenlockerung

Für eine tiefgründige Lockerung des Bodens eignen sich Mistgabeln oder eine Gründüngung.

Die Gründüngung bringt zudem neue Nährstoffe in den Boden. Ebenso gut funktioniert eine Flächenkompostierung über einen längeren Zeitraum.

Auf den abgeernteten Beeten werden im Herbst dicke Mulchschichten mit verschiedensten organischen Materialien aufgebracht. Die Bodenlebewesen zersetzen diese Schichten und hinterlassen Humus und lockeren Boden.

Terra Preta

Eine besondere Form der Düngung ist das Zuführen von Terra Preta. Terra Preta ist ein überaus fruchtbares Erdgemisch aus Kompost, Pflanzenkohle, Tiermist, Gesteinsmehl und Pflanzenjauche.

Diese ursprünglich im Amazonasgebiet entdeckte schwarze Erde kann selbst hergestellt oder käuflich erworben werden.

Gemüse und Obst im Permakulturgarten

Die Gartenarbeit wird in einem Permakulturgarten so einfach wie möglich gestaltet. Intensives Beseitigen von Beikräutern fällt weg. Vielmehr legen Gärtner*innen Wert auf mehrjährige Kulturen

Stauden, Sträucher und Bäume sind nicht nur wichtige Lieferanten verschiedener Rohstoffe, sie bieten auch eine regelmäßige Ernte. Wildobsthecken mit integrierten Obststräuchern und kleinen Obstbäumen sind wertvolle Lieferanten unterschiedlicher Früchte. 

Ein Waldgarten bietet ebenso Rohstoffe wie Ernteerträge, ist Schutz- und Erholzone zugleich.

Im Gemüsegarten finden sich Flächen für eher langsam wachsende Kulturen, die zur Einlagerung des Wintervorrats und als Tiernahrung genutzt werden. Kartoffeln, Möhren, Rüben, verschiedene Kohlsorten, Erbsen, Bohnen, Zucchini, Kürbis, Lauch und Zwiebeln gehören zu den gängigen Gemüsesorten.

Es ist vorteilhaft, diese Kulturen in Mischkultur anzubauen. Mischkulturen minimieren den Befall mit Schädlingen. Zudem können verschiedene Kulturen sich gegenseitig unterstützen und mit Nährstoffen versorgen. Beispielsweise vertreiben Lauch und Zwiebeln die Möhrenfliege. Demnach ist der Anbau von einer Reihe Zwiebeln im Wechsel mit einer Reihe Möhren ein guter Schutz.

Weitere günstige Pflanzengemeinschaften sind die drei Schwestern: Kürbis, Mais und Bohnen. Der gemeinschaftliche Anbau dieser drei wertvollen Nahrungspflanzen wurde von den Ureinwohnern Amerikas entwickelt. Kürbis, Mais und Bohnen gehen dabei eine günstige Symbiose ein und entwickeln auf kleinem Raum großen Ertrag. Der Mais dient als Stütze für die Bohnen, diese wiederum reichern den Boden mit Stickstoff an, der Kürbis beschattet mit seinen vielen Blättern den Boden.

Im hausnahen Küchengarten wachsen Salate, Radieschen und andere schnell wachsende Kulturen ebenfalls in Mischkultur. Kräuterbeete oder eine Kräuterpyramide ergänzen den Küchengarten.

Tomaten können mit einem Schutzdach an Hauswänden einen sonnigen Platz erhalten. Milde und geschützte Bereiche am Haus oder anderen Gebäuden lassen die sonst nicht heimischen Obst- und Gemüsesorten besser gedeihen (Mikroklima).

Die eigene Saatgutgewinnung

In einem Permakulturgarten wird Wert auf nachhaltiges Saatgut gelegt. Es sollte vorrangig altes, traditionelles Saatgut verwendet werden.

Zu meiden ist hybrides Saatgut, welches sich nicht zur Saatgutvermehrung eignet.

Mit der Zeit wird sich der neu entstehende Permakulturgarten zu seiner eigenen Samengärtnerei entwickeln. Das selbstgezogene Saatgut wird von Saison zu Saison resistenter gegenüber Schädlingen und Umwelteinflüssen.

Durch das Tauschen mit anderen Permakulturgärtner*innen entsteht eine große neue Vielfalt.

Vielfalt, die unabhängig macht und unsere Zukunft sichert.

Quellenverzeichnis
Cover: Jekaterina Sahmanova via Canva.com


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