9 November

Der Waldgarten: Nüsse, Früchte und Kräuter

Ein Waldgarten ist eine ganz besondere Form des Gartens.

Statt schweißtreibende Arbeit, ärgerliches Unkraut oder Schnecken, die einem die Ernte streitig machen, herrscht im Waldgarten ein Stück weit Frieden.

Die unterschiedlichen Pflanzen unterstützen sich gegenseitig, gefräßige Schädlinge werden zu genügsamen Gartenbewohnern und unsere Aufgabe beschränkt sich darauf, regulierend einzugreifen, wenn es nötig ist.

Erfahre, wie ein Waldgarten angelegt wird, damit du Nüsse, Früchte und Kräuter im Einklang mit der Natur ernten kannst.

Was ist ein Waldgarten? 

Ein Waldgarten ist der natürlichen Vegetation unserer Breitengrade nachempfunden, dem Wald.

Wenn man ein Stück Ackerland sich selbst überlässt, bildet sich langsam die natürliche Vegetation zurück.
Im Zuge der Sukzession siedeln sich Pionierpflanzen an, unter denen sich bald die ersten Birkensämlinge und Sträucher breit machen. Diese junge Waldgesellschaft aus Kräutern, Sträuchern und Bäumen ist das Vorbild für unseren Waldgarten.

Greift man in diesem Stadium nicht ein, entwickeln sich im Schutz des Jungwaldes Buchen und Eichen, die im Verlauf der Zeit die gesamte Fläche in einen ursprünglichen Urwald verwandeln. 

Wie viel Arbeit macht ein Waldgarten?

Ein Waldgarten ist wegen der hohen Artenvielfalt und den robusten Wildpflanzen widerstandsfähig gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen, wie Dürre oder Schädlingsdruck. Im Vergleich zu einem Gemüsebeet beansprucht ein Waldgarten weniger Ressourcen. Er muss nicht regelmäßig gedüngt, gewässert oder neu bepflanzt werden. 

Wer nun denkt, ein Waldgarten würde keine Arbeit machen, der irrt gewaltig. Greift man nicht regulierend ein, setzten sich besonders konkurrenzstarke Arten durch und überwuchern die anderen Pflanzen.

Bäume und Sträucher müssen regelmäßig geschnitten werden, damit sie nicht zu ausladend werden und zu starken Schatten auf die darunter liegenden Pflanzen werfen. Manchmal ist es nötig, Pflanzen der Krautschicht zu entfernen, wenn sie drohen überhandzunehmen.

Die größte Zeit im Waldgarten aber beansprucht die Ernte und Verarbeitung der Früchte, die er uns schenkt. 

Was kann im Waldgarten angebaut werden? 

Im Waldgarten können Nüsse, Obst und Kräuter angebaut werden. Sie stellen eine wertvolle Bereicherung unseres Speiseplans dar und versorgen uns genau mit dem, was in unserer modernen westlichen Ernährung so sehr fehlt: sekundäre Pflanzenstoffe und Mineralstoffe.

Von einem Waldgarten allein kann man nicht Leben, aber er ist eine wichtige Quelle von ursprünglichen Nahrungsmitteln. Denn besonders Pflanzen, die gar nicht oder wenig züchterisch bearbeitet wurden, gedeihen im Waldgarten.
Nur wenige robuste Gemüsearten gedeihen im Waldgarten, sie sind besser im sonnigen Gemüsebeet aufgehoben.

Die drei Zonen des Waldgartens

Wie die junge Waldgemeinschaft besteht der Waldgarten aus drei Zonen.
Der Baumschicht, der Strauchschicht und der Krautschicht.

Die Pflanzen für die einzelnen Schichten müssen mit Bedacht ausgewählt werden, da sich Pflanzen, die am falschen Standort stehen und unpassenden Bedingungen ausgesetzt sind, niemals gesund und kräftig wachsen.

Die Planung eines Waldgartens bedarf einiger Zeit und Überlegungen, damit die Pflanzen später miteinander harmonieren. 

Die Baumschicht

Die Baumschicht bildet das Gerüst des Waldgartens. Bäume sind die Eckpfeiler, an denen entlang Sträucher und Kräuter geplant werden.

Bei der Planung muss stets berücksichtigt werden, wie groß die Bäume später werden. In der Regel ist für das Unterfangen nicht beliebig viel Platz vorhanden, daher sollten die Bäume ausgewählt werden, deren Früchte man gut verwenden kann. Ein späteres Umpflanzen von angewachsenen Bäumen gestaltet sich sehr schwierig und ist mit enormem Stress für den Baum verbunden.

Je nach Art gibt es die Möglichkeit auf spezielle klein bleibende Sorten oder auf veredelte Obstbäume zurückzugreifen, die im Wachstum determiniert sind. Soll es ein Apfel sein, kann man durch die Veredlungsunterlage steuern, wie groß er später wird. Vom besonders platzsparenden Säulenobst über mittelgroße Bäume auf M9 bis hin zu wurzelechten Mostäpfeln mit ausladender Krone sind alle Möglichkeiten offen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Schattenverträglichkeit. Nicht alle Obstbäume kommen mit einem schattigen oder halbschattigen Standort zurecht. Exoten wie Aprikosen, Mandeln oder Feigen benötigen volle Sonne, genauso wie die Süßkirschen. 

Haselnuss

Die schattenverträgliche Haselnuss liefert besonders viele Früchte, wenn sie als Baum gezogen wird. Da Ertragssorten, wie Wunder von Bollweiler, Webbs Preisnuss oder Hallesche Riesen naturgemäß als Strauch wachsen, werden sie auf die Baumhasel veredelt und lassen sich so als Baum ziehen. 

Holzapfel

Der Holzapfel ist die Urform des Apfels, sehr schattenverträglich und bringt kleine, wenig schmackhafte Früchte hervor, die erst nach dem Frost genießbar werden. Allerdings enthalten die Früchte viel Pektin und können zur Marmeladenherstellung genutzt werden. 

Sauerkirsche

Die Sauerkirsche steht als eigenständige Art neben der Süßkirsche, ist schattenverträglicher und deswegen besser für den Waldgarten geeignet. Mit ihren aromatischen Früchten, die sich bestens zur Herstellung von Marmelade, Wein und Saft eignen, ist die Sauerkirsche eine Bereicherung für jeden Waldgarten. 

Mispel

Die Echte Mispel ist ein sehr anspruchsloser Großstrauch, der auch mit Trockenperioden und Schatten zurechtkommt und sich bei konsequentem Erziehungsschnitt als mittelgroßer Baum erziehen lässt. Die Früchte sind erst nach dem Frost genießbar und finden vorwiegend in der Verarbeitung Verwendung.

Quitte 

Die Quitte ist, wenn sie regelmäßig geschnitten wird, auch mit halbschattigen Standorten zufrieden. Wurzelechte Bäume sind mit 4 bis 5 Metern ausgewachsen und passen daher gut in den Waldgarten. Roh sind die Früchte ungenießbar, sie sind allerdings sehr groß, aromatisch und eignen sich zur Herstellung von Saft und Marmelade. 

Birken

Birken sind typische Pionierpflanzen und passen sich ihrer Umgebung gut an. Die Krone ist relativ licht und wirft wenig Schatten. Im Frühjahr kann man süßliches Birkenwasser ernten. 

Walnuss

Walnussbäume sind eigentlich zu große Bäume, die kaum andere Pflanzen in ihrer Nähe gedeihen lassen. Durch Schnitt können die Bäume nicht in Schach gehalten werden, allerdings gibt es die Sorte Europa, die mit nur 3,5 Metern Höhe auch im Waldgarten Platz findet. 

Pflaume 

Die Pflaume ist ein schattenverträglicher Baum, von dem es unzählige Sorten gibt. Von den länglichen Zwetschgen, der Klassiker auf dem Kuchen, über Mirabellen, deren Früchte exzellenten Most ergeben bis hin zu Renekloden, die sich besonders gut zum Rohverzehr eignen, findet jeder die richtige Sorte.

Apfel

Der Apfel ist ähnlich schattenverträglich wie die Pflaume, die Sortenvielfalt ist sogar noch viel höher. Wenn allerdings vorwiegend Tafeläpfel geerntet werden sollen, sollten die Bäume einen sonnigen Standort bekommen, da die Äpfel sonst schlecht ausfärben und durch eine ausgeprägte Säure unangenehm auffallen. 

Eberesche

Die Eberesche ist ein Wildobst, dass auch in artenreichen Wäldern zu finden ist. Die Baumart ist perfekt an die Bedingungen im Waldgarten angepasst und gedeiht auch an schattigen Plätzen. Möchte man aus den Früchten Marmelade und Saft herstellen, sollte man unbedingt eine Kultursorte wählen, da diese deutlich geringere Gerbsäuregehalte aufweisen.


Die Strauchschicht

Für die Strauchschicht kommt vorwiegend Beerenobst infrage. Viele Beerensträucher gedeihen in einem halbschattigen Standort, allerdings steigt der Ertrag mit den Sonnenstunden.

Das heißt, dass sowohl die Anzahl als auch die Größe der Früchte bei einem schattigen Standort geringer ausfallen kann. Im schlimmsten Fall verfallen die Sträucher in einen vegetativen Zustand, bei dem sie nur überdauern und weder weiterwachsen noch neue Früchte ausbilden. Ist das der Fall sollten die darüberliegenden Bäume geschnitten oder der Strauch umgesetzt werden. 

  • Schattiger Standort: Hagebutte, Brombeere, Holunder
  • Halbschattiger Standort: rote und weiße Johannisbeere, Jostabeere, Stachelbeere, wilde Heidelbeeren
  • Sonniger Standort: Kultur-Blaubeeren, Schwarze Johannisbeere, Himbeeren

Die Krautschicht

Die Krautschicht im Waldgarten unterliegt einem kontinuierlichen Wandel aus mehrjährigen Stauden, Kräutern und wenig Gemüse.

Die meisten Gemüsearten benötigen, um gedeihen zu können, mehr Licht, als ihnen im Waldgarten geboten werden kann und sind demnach besser im Gemüsebeet aufgehoben. Nur wenige robuste Arten wie Topinambur, Mangold oder Rhabarber kommen mit den Bedingungen im Waldgarten zurecht.

Aber gerade die Pflanzen, die auf dem Gemüsebeet oft stark wuchern und so schnell als Unkraut abgestempelt werden, verhalten sich im Waldgarten an halbschattigen oder schattigen Platzen erstaunlich gesittet, sodass man allerlei Wildkräutern einen Platz einräumen kann. Entweder man pflanzt sie gezielt an, oder man erfreut sich an ihrem spontanen Auftreten. 

Je artenreicher die Krautschicht im Waldgarten ist, desto besser. So ist das ganze System nicht nur weniger anfällig für Störungen, man hat auch die Möglichkeit sich zu jeder Jahreszeit mit frischen Blättern und Wurzeln zu versorgen. 

  • Schattiger Standort: Wildpflanzen und Kräuter
    (Wilde Möhre, Giersch, Brennnessel, Minze, Walderdbeeren, Weinberglauch, Taubnessel, Waldmeister, Bärlauch, Hirschhornwegerich, Gundermann, Vogelmiere, weißer Gänsefuß, Wald-Sauerklee, Portulak)
  • Halbschattiger Standort: Stauden
    (Liebstöckel, Klettenwurzel, Taglilien, Gewürzfenchel)
  • Sonniger Standort: Gemüse
    (Mangold, Pastinake, Rhabarber, Meerrettich, Topinambur, Salat)

Fazit

Ein Waldgarten erfüllt die unterschiedlichsten Funktionen. Er ist ein Ort, in dem man die Verbindung zur Natur spüren kann, wo die verschiedenen Pflanzen und Tiere ein Zuhause finden.

Ein Waldgarten, der so angelegt ist, dass die unterschiedlichen Bäume und Sträucher sich nicht gegenseitig behindern, ist in Summe eine sehr effiziente Form der Selbstversorgung.
Mit deutlich weniger Einsatz von Ressourcen wie Wasser und Dünger kann man auf den drei Ebenen der Baum, - Strauch- und Krautschicht eine beachtliche Vielfalt und Menge an Nahrungsmitteln erzeugen.

Dabei muss ein Waldgarten gar nicht riesig sein, auch auf einer kleinen, wo nur zwei oder drei Bäume mit den dazugehörigen Sträuchern und Kräutern Platz finden ist ein Gewinn. 


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