Essbare Wildpflanzen – Bestimmen von Pflanzen für Anfänger (Teil 1)

Wie lerne ich Wildpflanzen kennen?

Wildpflanzen bieten dir eine Menge an Vorteilen gegenüber angebautem Obst und Gemüse. Sie müssen sich robust und widerstandsfähig gegen ihre Mitbewohner und Mitesser durchsetzen. Deshalb enthalten sie im Vergleich zu unseren angebauten Kulturpflanzen ein Vielfaches an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und eine Menge an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen. Gleichzeitig bieten Wildkräuter dir eine ungeahnt geschmackvolle Abwechslung und Bereicherung des täglichen Speiseplans.

Wir haben dir nützliche Hinweise für einen leichteren Einstieg ins Thema zusammengetragen. In diesem Artikel (Teil 1)  erklären wir dir, wie und wo du Pflanzen sammelst und worauf es beim Bestimmen von Pflanzen ankommt. Im zweiten Teil (hier geht es zum Artikel: Essbare Wildpflanzen -Bestimmen von Pflanzen für Anfänger, Teil 2) gehen wir einen Schritt weiter und schauen uns die Details einer Pflanze an. Dieses Wissen benötigst du, um dich im System der Pflanzen zurechtzufinden. 

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Und nun: Viel Spaß beim Lesen und Entdecken der großartigen Welt der essbaren Pflanzen!  

Hilfreiche Tipps zum Einstieg ins Thema: Wie lernt man Pflanzen kennen? 

Tipp 1: Kräuterwanderungen

Bevor du mit dem Sammeln startest, erkundige dich, ob es geführte Kräuterwanderungen in deiner Nähe gibt. Sie sind der einfachste Weg zum Kennenlernen von Pflanzen. Durch fachkundige Führungen erhältst du einen guten Überblick über die Welt der essbaren Pflanzen. 

Tipp 2: Deine Biogärtnerei

Eine weitere Möglichkeit, Pflanzen kennenzulernen, ist der Weg in eine Biogärtnerei. Neben all den angebauten Kulturpflanzen wachsen hier viele wilde Pflanzen. Durch deine Mithilfe beim Gärtnern erhältst du durch Fachpersonal einiges an Wissen, ungespritztes Grün und soziales Miteinander. 

Tipp 3: Bücher über Wildpflanzen

Foto- und bebilderte Pflanzenbücher sind eine sehr gute Möglichkeit, um ein Gefühl für das Thema zu bekommen. In ihnen werden oftmals auch weitere hilfreiche Informationen zusammengetragen, die dir den Einstieg erleichtern. Empfehlungen findest du weiter unten im Artikel. 

Tipp 4: Bestimmungsbücher

Anhand von Büchern mit Bestimmungsschlüssel kannst du jede Pflanze kennenlernen. Es erfordert Übung und Geduld, sich mit einem Bestimmungsbuch auseinanderzusetzen, aber es lohnt sich. Mit einem solchen Werk und dem notwendigen Enthusiasmus kannst du dich zum Pflanzenexperten entwickeln. Auch hierfür haben wir dir Informationen zusammengetragen (am Ende des Artikels).

Hinweis: Bist du dir beim Bestimmen nicht wirklich sicher, hinterfrage die Pflanze bei erfahrenen Menschen oder lass sie erst einmal stehen. 

Wildpflanzen sammeln – aber richtig!

Bist du bereit für einen Gang ins Grüne? Prima. Dann kommen hier ein paar Tipps zum Sammeln essbarer Wildpflanzen.

  1.  Sammle nur an sauberen Orten, dazu gehören: dein eigener Garten, der Wald, Hecken, ungedüngte bzw. pestizidfreie Wiesen, saubere Park- und Grünanlagen in der Stadt, offengelassene Schrebergärten, Brachflächen, Bachufer und auch die Meeresküsten.
  2. Sammle stets nur so viele Pflanzen, wie du verarbeiten kannst.
  3. Sammle niemals alle Pflanzen an einem Standort, da der Bestand ansonsten gefährdet ist. Gehe stets behutsam mit der Natur und den Lebewesen um.
  4. Sammle nur die jungen und zarten Blätter von Pflanzen. So bekommst du die meisten Nährstoffe und gleichzeitig die leckersten Teile.
  5. Überprüfe vor der Ernte, ob die Pflanzen frei von Verschmutzungen (Schnecken, Vogelkot, Hundepipi) sind. Am besten erntest du alle Teile küchenfertig. Das spart eine Menge Zeit beim Zubereiten. Saubere Ernte = sauberes Essen.
  6.  Benutze ein scharfes Messer zum Schneiden grüner Blätter anstatt die Pflanze aus- oder abzureißen. So kann sie ungefährdet weiter wachsen.
  7. Verwende ein Körbchen oder einen Stoffbeutel zum Sammeln statt einer Folientüte. Verwerte die Pflanzen zügig oder bewahre sie nach der Ernte in einem feuchten Tuch gekühlt auf.
  8. Sammle verschiedene Pflanzen in separaten Beuteln. Damit ersparst du dir später viel Arbeit, sie zu sortieren.

Wie lernt man nun Wildpflanzen kennen?

Eine gute Hilfe zum Bestimmen von Pflanzen sind Bilder, Fotos und Zeichnungen. Diese findest du in Büchern oder auch in digitalen Formaten im Netz. Bestimmungs-Apps für Pflanzen oder auch digitale Einführungskurse im Internet bieten eine weitere Möglichkeit, um dich an das Thema heranzutasten. 

Als Neuling wirst du jedoch in jedem Falle Zeit benötigen, um deine ersten Pflanzen selbständig benennen zu können. Grundkenntnisse sind deshalb immer eine wichtige Voraussetzung. Es gibt genügend Beispiele zum Verwechseln von Pflanzen, die von Bauchschmerzen bis hin zum Tod führen können

Hier gilt: Wissen ist ausnahmsweise besser als Ausprobieren!

Hilfsmittel und Kurse zum Erkennen von Wildpflanzen

Es gibt die unterschiedlichsten Kräuterbücher und davon eine ganze Menge. Oftmals sind diese erst nutzbar, wenn du dich schon mit den Pflanzen auskennst. Auch im Internet findest du viele Informationen, die dich leicht überfordern können. Deshalb haben wir dir hier hilfreiche und umfassende Tipps zusammengestellt: 

Bücher und Webseiten zum Bestimmen

  • Grün&Gesund Praxistipp

Der Einstieg ins Thema ist leichter, wenn du dich vorerst nur auf wenige Pflanzen fokussierst. Es kann dich schnell frustrieren, draußen vor Ort die Pflanzen nicht erkennen zu können. Deshalb schaue dir zu Hause im Buch oder im Internet vier bis fünf einfach zu erkennende Pflanzen an. Und dann kann es losgehen. 

Einfache Literatur zum Erkennen von Pflanzen für Anfänger

Die empfohlenen Taschenbücher haben für unterwegs ein prima Format, sie passen bequem in jeden Rucksack.

  • Der illustrierte Pflanzenführer. Der BLV-Klassiker. Thomas Schauer, Claus Caspari, Stefan Caspari (Taschenbuch)
  • Was blüht denn da? Kosmos Verlag
  • Lernt Pflanzen kennen: Exkursionsführer zum Bestimmen von Pflanzen von Herbert Weymar
  • Wildkräuter, Beeren und Pilze, E.-M. und W. Dreyer
  • Essbare Wildpflanzen von Detlev Henschel

Bestimmungsbücher zum Vertiefen und für Fortgeschrittene

Noch mehr Sicherheit zum Identifizieren der Pflanze bieten dann nur noch die Bestimmungsbücher. Diese erfordern erstmal einiges an Übung. Aber die Mühe lohnt sich, wenn du tiefer ins Thema eintauchen möchtest.

  • R. Lüder, 2020; Grundkurs Pflanzenbestimmung: Eine Praxisanleitung für Anfänger und Fortgeschrittene; 9. Aufl. 2020; Quelle & Meyer Verlag
  • Exkursionsflora von Rothmaler, Band 3 und 4 (Bildband und kritischer Band)
  • Schmeil-Fitschen, Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder
  • S. Eggenberg u.a., Flora Helvetica Exkursionsführer (für Süddeutschland, Schweiz, Österreich zu empfehlen)

Alle aufgeführten Bücher sind antiquarisch zu bekommen. 

Pflanzenerkennung per App und Internetseiten

Eine App funktioniert nicht immer fehlerfrei, da es sich um einen Algorithmus handelt. Es ist in diesem Falle immer sinnvoll, ein Buch (s. Empfehlung) dabei zu haben und zu vergleichen.

Kräuterkurse 

Kräuterwanderungen mit erfahrenen PflanzenexpertInnen sind die einfachste Variante, um ins Thema einzusteigen. Diese finden deutschlandweit und regional in der Sommersaison statt. Umfassende Hinweise dazu findest du im Netz und in der lokalen Presse. Soziale Medien wie Facebook, Instagram & Co. sind ebenfalls eine wahre Fundgrube.

In Mecklenburg-Vorpommern sowie überregional bietet dir Kristin Brandt die Möglichkeit, Wildkräuter intensiv und praxisnah kennenzulernen. Dazu finden regelmäßig Praktika und Kräuterworkshops in der Bio!Gärtnerei statt. Alternativ kannst du einen Kurs bei dir vor Ort buchen. 

Intuitives Bestimmen essbarer Pflanzen

Als abschließende Möglichkeit kannst du auch über intuitives Verhalten herausfinden, ob eine Pflanzen essbar oder giftig ist. Dieser Test ist allerdings nur für den Notfall gedacht.

  1. Gefühlstest: Gehe zuallererst in dein Gefühl. Spricht dich die ausgewählte Pflanze auf allen Ebenen an? Wenn ja: Gehe weiter zu Punkt 2. Bei einem Nein verwirfst du die Probe und wählst eine andere Pflanze aus.
  2. Geruchstest: Ist der Geruch der Pflanze beim Zerreiben eines Blattes angenehm für dich? Gehe weiter zum 3. Punkt. Überprüfe im Vorfeld, ob tote Insekten unter der Pflanze liegen. Ist das der Fall: Finger weg! 
  3. Reaktionstest: Nutze das zerriebene Blatt und streiche den Saft daraus auf eine empfindliche Körperstelle – Armbeuge bzw. die Innenseite des Unterarms sind hierfür gut geeignet. Warte nun eine bestimmte Zeit (mehrere Stunden), um eine evtl. Reaktion zu beobachten. Bei einer Hautreaktion wie Jucken, Rötung, Kribbeln, Pusteln o. Ä. vergiss die Pflanze. Kannst du keine Reaktion feststellen, dann gehe zum 4. Punkt.
  4. Geschmackstest: Nimm ein kleines Blattstückchen (oder Pflanzenteil) und kaue es vorsichtig ohne es herunterzuschlucken. Ist der Geschmack angenehm? Dann gehe zum 5. Punkt. Schmeckt die Pflanze bitter oder unangenehm, löst sie allergische Reaktionen aus? Dann gleich wieder raus damit, ausspucken und Finger weg!
  5. Körpertest: Ist der Geschmackstest erfolgreich, du hast ein gutes Gefühl? Iss ein kleines Stück der Pflanze und beobachte, ob und wie dein Körper reagiert.
  6. Essbar oder ungenießbar: Probiere eine größere Menge der gleichen Pflanze. Warte bis zum übernächsten Tag auf eine Reaktion (mind. 48h). Hast du auch hier keine negativen Auswirkungen festgestellt, kannst du die Pflanze essen.

Hinweise:

  • Nicht jede giftige Pflanze schmeckt oder riecht unangenehm oder löst eine Reaktion aus!
  • Alle bitteren und scharfen Pflanzen solltest du vorerst nicht verwenden. 
  • Bei dieser Methode  solltest du neben Vorsicht auch Geduld walten lassen. 
  • Grün&Gesund Praxistipp

Möchtest du Pflanzen intuitiv kennenlernen, gibt es die Möglichkeit, einen Survival Kurs zu besuchen. Hier erlernst du verschiedene Herangehensweisen, um Pflanzen unter Aufsicht zu testen. 

Giftpflanzen solltest du kennen!

Zum Abschluss möchten wir dich noch einmal auf die Gefahr einer Vergiftung hinweisen, denn Giftpflanzen solltest du kennen. In Deutschland gibt es mehr als 10.000 Pflanzen. Mindestens 1/5 gelten davon als essbar. Der Anteil an Giftpflanzen ist im Vergleich dazu (ca. 200 Arten) erstaunlich gering. Trotzdem solltest du die wenigen ungenießbaren bzw. giftigen Vertreter kennen.

Quellenverzeichnis
Cover: bee32 via Canva.com


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