22 Oktober

Dein eigener Selbstversorgergarten

Einkaufen war gestern. Zukünftig gehst du mit einem geflochtenen Handkorb entspannt in den Garten und erntest frischen Salat, knackige Möhren, Blumenkohl und die letzten Brombeeren. Ein paar Tomaten naschst du gleich unterwegs und die Gurke lässt du für morgen hängen. In der Vorratskammer wählst du aus mehreren Marmeladen und Säften. Im Erdkeller lagern Kartoffeln, Sellerie und Rüben. Der Tiefkühlschrank ist gefüllt mit leckeren Beeren und Gemüse für die kalte Jahreszeit.

Verpackungsmüll gehört der Geschichte an. Schlangestehen und Ohnmachtsanfälle beim Bezahlen an der Kasse fallen ebenfalls aus. Du kommst stattdessen gut erholt aus dem Garten zurück und weißt: Du trägst die allerbesten Lebensmittel herein.

Mit einem eigenen Selbstversorgergarten startest du in ein komplett neues und gesundes Leben. Dabei muss dein Garten nicht riesengroß sein. Um zu beginnen reicht ein Balkon, eine Terrasse oder ein Schrebergarten. Der Umzug aufs Land kommt dann irgendwann von allein. Wichtig ist: Du fängst jetzt an!

Der einfache Start als Selbstversorger

Die Größe und Lage des Gartens ist nicht entscheidend. Vielmehr richtet sich der Ernteertrag nach der angebauten Vielfalt und deinem Einfallsreichtum.

Am Anfang solltest du dich fragen: „Was würde ich gerne ernten?“ Vieles, was sonst auf dem Einkaufszettel steht, könnte schon bald in deinem Garten wachsen. Dennoch solltest du mit den einfachen Dingen starten, um einen schnellen Ernteerfolg heimzutragen. Dazu eignen sich beispielsweise Radieschen und Blattsalate. Salatrauke gehört ebenfalls zu den Schnellstartern. Pflanze Kräuter in ein Beet oder in große Pflanzkübel. Bestelle ein Hochbeet mit Mangold, Bohnen oder Erbsen.

Wer diese Vorzüge bereits kennt und umsetzt, im Sommer z. B. eigene Tomaten anbaut, Kohlrabis und Möhren erntet, kann direkt mit der Planung eines größeren Selbstversorgergartens starten.

Planung eines Selbstversorgergartens

Ziel eines Selbstversorgergartens ist es, sich das ganze Jahr über mit eigenem Obst, Gemüse und Kräutern zu versorgen. Damit dies gelingt, ist ein wenig Planung nötig. In unserer schnelllebigen Zeit sollte ein Selbstversorgergarten viele Pflanzen beherbergen, die etliche Jahre lang Ertrag bringen und wenig Pflege bedürfen. Auch ist es sinnvoll, viele verschiedene Sorten zu integrieren, um Ernteausfälle zu minimieren. Hitze, Trockenheit, Stürme, Hagel- und Regengüsse stellen Gärtner immer wieder vor besondere Herausforderungen. Damit Schädlinge und Krankheiten nicht die komplette Ernte zerstören, ist “Vielfalt” das Zauberwort unserer Zeit. 

Der beständige Obstgarten

Rahmen und Struktur des Selbstversorgergartens

Süße Früchte heben die Stimmung. Im Idealfall beginnt das Obstjahr Ende Mai mit den ersten süßen Maibeeren. Es folgen Erdbeeren, Sommerhimbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Süß- und Sauerkirschen, Blaubeeren, die ersten Sommeräpfel und -birnen sowie Brombeeren. Im Spätsommer setzt die Ernte der Pflaumen und Pfirsiche ein. Es reifen der Wein, die Aroniabeeren, der schwarze Holunder und die Preiselbeeren. Die große Ernte der Lageräpfel und -birnen wird sehnlichst erwartet. Quitten, Herbsthimbeeren, Sanddorn und Schlehen begleiten uns bis in den Frost hinein.

Es ist sinnvoll, Lieblingsobst und -nüsse in Hecken bunt zu mixen. Kombiniere hohe Bäume mit kleineren Sträuchern. Unterpflanze Sträucher oder Hochstämmchen mit bodennahen Obststauden wie Monats- oder Walderdbeeren, Preiselbeeren oder Cranberries. Ebenso sinnvoll ist es, die Zeitspanne der Ernte mit verschiedenen Sorten zu verlängern. Die ersten Apfelsorten reifen beispielsweise Ende Juli, die letzten im Oktober vor dem Frost. Einmal angepflanzt, können Bäume, Sträucher und Stauden viele Jahre Früchte tragen. Mit der Zeit wird es dir gelingen, selbst eigene kleine Sträucher und Stauden zu ziehen und so den Fortbestand zu sichern. Hecken haben zudem eine enorme Schutzfunktion und sollten beispielsweise den Gemüsegarten umranden. Sie sind der Rückzugsort für viele Nützlinge, die du in deinem Selbstversorgergarten benötigst. Pflanze auch hoch wachsende Bäume, die deinen übrigen Pflanzen ausreichend Schatten spenden und dir im Herbst viel Laub zum Mulchen schenken.

Der immergrüne Gemüsegarten

Das Herz deines Selbstversorgergartens

Angepflanzt wird auf Beeten, Hochbeeten, Hügelbeeten, in Kübeln oder anderen Pflanzgefäßen. Die große Kunst besteht darin, den vorhandenen Platz im Gemüsegarten bestmöglich zu nutzen. Im Grunde bleibt kein Fleckchen Erde unbepflanzt. Mischkultur heißt ein weiteres Zauberwort. Es darf mutig kombiniert werden. Pflanzengemeinschaften nutzen den vorhandenen Platz optimal aus, reifen miteinander oder nacheinander und profitieren voneinander. Ebenso können sich Kombinationen von Gemüse, Kräutern und Blumen günstig auf die Pflanzengesundheit auswirken. Auch unter den Gemüsepflanzen gibt es ausdauernde Stauden. Pflanze Rhabarber, Spargel und ewigen Kohl. Säe Winterheckenzwiebel und baue viele Küchenkräuter und Meerrettich an.

Ebenso wichtig wie Vielfalt und Mischkultur ist das Mulchen im Selbstversorgergarten. Nicht nur der Mensch möchte selbst versorgt werden. Auch der Boden, die Bodenlebewesen und Pflanzen benötigen Schutz und Nahrung. Es entsteht ein Kreislaufsystem, das dir hilft, Ressourcen zu sparen. Beim Mulchen wird die Erde nach dem Keimen oder der Pflanzung mit Pflanzenmaterial bedeckt. Es entsteht ein Schutz vor Austrocknung. Die Bodenlebewesen bilden daraus Humus und dem Boden werden wichtige Nährstoffe zurückgegeben.

Wilde Hecken und Ecken

In den Randzonen deines Selbstversorgergartens darf es ruhig wild zugehen. Pflanze Wildobsthecken. Lass Brennnessel und Giersch wachsen. Lege dir eine Wildblumenwiese an. Siedel all jene Wildkräuter an, die du kennst oder kennenlernen möchten. Meist kommen noch einige andere Wildkräuter von allein hinzu und schon bald kannst du das ganze Jahr über frische wilde Nahrung ernten.

Selbstversorgt durch die 4 Jahreszeiten

Im Sommer Tomaten und Salat zu ernten, ist wunderbar. Wer aber auch im zeitigen Frühjahr, im späten Herbst oder sogar im Winter frisches Grün aus dem Garten holen möchte, kann dies in einem Selbstversorgergarten realisieren.

Das zeitige Frühjahr

Wenn du im Herbst Wintergemüse anbaust, profitierst du auch im Frühling von diesen Pflanzen. Alle Blattkohlsorten treiben im zeitigen Frühjahr mit kleinen feinen Trieben neu aus. Der Winterspinat schiebt noch einmal dunkelgrüne Blättchen hervor. Feldsalat bleibt ebenfalls noch lange frisch, bevor er in die Blüte übergeht.

Das eigentliche Frühlingsgemüse benötigt noch etwas Zeit. Meist sind es Radieschen, Salatrauke, Kresse, junger Spinat, Blatt- und Asia-Salate, die erste Blättchen liefern. Unter Glas und Folie wachsen sie schneller. Zudem werden im warmen Gewächshaus, Folientunnel oder Frühbeet die ersten Gemüsepflanzen vorgezogen. Aber auch draußen gibt es schon viel Frisches zu ernten: Löwenzahn, Gänseblümchen, Sauerampfer, Vogelmiere, Giersch und Brennnessel wachsen eher als jedes Kulturgemüse und bereichern deine Mahlzeiten.

Im Frühling legen wir den Grundstein für das gesamte Gartenjahr. Es werden Beete vorbereitet und bestellt, Hecken und Stauden gepflanzt, Gemüse vorgezogen und ausgepflanzt.

Ein langer Sommer

Der Übergang vom Frühling zum Sommer gestaltet sich meist sehr arbeitsintensiv. Die vorgezogenen Pflanzen müssen im Garten verteilt werden. Die wachsenden Pflanzen werden vom Beikraut befreit. Das Erntegut reift heran.

Sich selbst zu versorgen heißt: Alles, was nicht direkt gegessen wird, sollte haltbar aufbewahrt werden. Einkochen, einfrieren, dörren bzw. trocknen stehen auf dem Programm. Es fängt im Mai mit Beerenobst, Spargel, Puffbohnen, Erbsen und Zuckerschoten an. Frisch gegessen werden in der ersten Sommerhälfte vor allem auch Salate, Spinat, Radieschen und Mairübchen.

Im Sommer ist es Zeit, an den Herbst und Winter zu denken. Alle Winterkohlarten sollten vorgezogen und gepflanzt werden. Zudem kommen Folgesaaten wie Bohnen und Rettiche in die Erde.

Die Ernte Hauptsaison beginnt im Hochsommer. Die Fülle ist allgegenwärtig. Gurken, Tomaten, Zucchini und Co. wollen gegessen und verarbeitet werden. Der große Einkoch- und Dörrmarathon beginnt.

Der bunte Herbst

Im Herbst liegt der Schwerpunkt im finalen Ernten. Erdmieten und Erdkeller werden gefüllt, Äpfel,  Birnen und Kürbisse eingelagert, Kohl fermentiert.

Ebenso wichtig ist es, die abgeernteten Flächen mit Wintergemüse zu bepflanzen oder Folgesaaten auszusäen. Radieschen, Asia-Salate, Feldsalat, Spinat, Blattkohl und Salatrauke sind die letzten Samen, die im September gesät werden. Auf allen brachen Flächen wird Gründünger ausgesät oder eine Flächenkompostierung aufgebracht.

Sobald die Blätter fallen, können neue Bäume und Sträucher gepflanzt sowie Stauden geteilt werden.

Ein ruhiger Winter

Die im Spätsommer bis in den Herbst angepflanzten Gemüsesorten reifen bis zu den ersten frostigen Tagen. Danach verbleiben sie auf dem Beet und warten geduldig, bis sie frisch geerntet werden. Geerntet wird an frostfreien Tagen. Jedes grüne Blättchen ist in den dunklen Wintertagen ein Gewinn. Du erntest den Grün- oder Rosenkohl, die letzten Radieschen oder dessen Blätter, Spinatblätter oder verbliebene Möhren, Topinambur oder die Meerrettichwurzel. Du kommst mit deinem Erntekorb gut erholt aus dem Garten, der Vorratskammer oder dem Erdkeller zurück und weißt: Du trägst die allerbesten Lebensmittel herein.

Paradies versus Knechterei

Wenn du jetzt denkst: „Puh… das ist aber eine Menge Arbeit. Wie soll ich das alles schaffen?“

Nun ja, es ist Arbeit. Es ist aber auch Erholung und Freizeit, vergleichbar mit einem Kurzurlaub. Du findest zurück zur Natur, erfährst Erdung und Zuversicht, weißt, wie deine Nahrungsmittel herangewachsen sind und schaffst nebenbei ein Paradies für Mensch und Tier. Es muss ja nicht gleich ein riesiger Kartoffelacker sein. Lass dich inspirieren! Lote deine Möglichkeiten aus. Es braucht nicht viel zum Starten: Ein paar Samen, ein bisschen Erde und schon geht es los.


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